Vom Finanzierer zum Unternehmer: Der Debt-Equity-Swap
Der Debt-Equity-Swap hat als bilanzielle Sanierungsmaßnahme aufgrund der andauernden Finanz- und Wirtschaftskrise in den vergangenen Jahren als Instrument der Unternehmenssanierung an Bedeutung gewonnen. Durch das ESUG erhält er jetzt weiteren Auftrieb, denn künftig lassen sich im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens Forderungen von Gläubigern auch ohne Mitwirkung der Altgesellschafter in Anteils- und Mitgliedschaftsrechte am schuldnerischen Unternehmen umwandeln und damit ein Debt-Equity-Swap gegen den Willen der Altgesellschafter durchsetzen, bislang war dies nur in Kooperation mit den Altgesellschaftern möglich.


Der Debt-Equity-Swap ist eine der Gestaltungsvarianten, wenn es um die Umwandlung von Forderungen in Anteilsrechte geht. Im Vergleich zu anderen Restrukturierungsinstrumenten bietet der Debt-Equity-Swap eine Reihe von Vorteilen: 

- Beseitigung einer eventuellen Überschuldung
- Erhöhung der Eigenkapitalquote und Absenkung der Finanzierungskosten
- dadurch Stärkung der Ertragskraft und Bonität der Gesellschaft
- Erhalt der operativen Einheit.

Die Beteiligung von Forderungsinhabern an einer Gesellschaft kann auf zwei Arten erfolgen:als Sachkapitalerhöhung oder als Share-Deal. Beide Kapitalmaßnahmen bedurften bislang der Zustimmung bzw. Mitwirkung der Altgesellschafter, dies ist nach dem ESUG nicht mehr erforderlich.
  • Bei der Sachkapitalerhöhung wird zunächst das Kapital der Gesellschaft auf den tatsächlich noch vorhandenen Betrag des Eigenkapitals herabgesetzt, um anschließend eine effektive Kapitalerhöhung durchzuführen. Hierbei bringt der Gläubiger seine Forderung als Sacheinlage ein.
  • Beim Share-Deal hingegen übertragen die Altgesellschafter bereits bestehende Gesellschaftsanteile auf den Forderungsinhaber, der im Gegenzug auf seine Forderung verzichtet.
Chance und Risiko zugleich
Jedoch birgt der Debt-Equity-Swap nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken, die bislang zu einer gewissen Vorsicht der Gläubiger gegenüber einem Debt-Equity-Swap geführt haben. Einige Risiken werden durch das ESUG entschärft, andere bestehen fort. Eines der bislang größten Risiken bei einer Sachkapitalerhöhung ist die Möglichkeit einer Unterbilanzhaftung wegen mangelnder Werthaltigkeit der eingebrachten Forderung. Dem Finanzinvestor droht dann eine Nachschusspflicht in bar, falls sich herausstellt, dass die eingebrachte Forderung überbewertet war. Dies ist – und das ist bzgl. des Debt-Equity-Swaps ein Hauptvorteil des ESUG – nunmehr für im Rahmen eines Insolvenzplans vorgenommene Forderungsumwandlungen ausgeschossen, § 254 Abs. 4 InsO n. F.

Ein weiteres Risiko besteht hinsichtlich verbleibender Darlehensteile bzw. später neu gewährter Darlehen bzgl. der Gefahr einer späteren Insolvenzanfechtung. Dies wird aber durch das – auch bislang schon geltende – „Sanierungsprivileg“ abgemildert, § 39 Abs. 4 Satz 2 InsO n. F. Erfolgt der Debt-Equity-Swap im Rahmen eines Share-Deals, besteht das Risiko, dass den Erwerber neben dem Veräußerer eine gesamtschuldnerische Haftung für rückständige Leistungen aus dem Geschäftsanteil nach § 16 Abs. 2 GmbHG trifft. Hiervor schützt auch das ESUG nicht. Das Ziel des ESUG ist u. a., die Insolvenzordnung im internationalen Wettbewerb zu stärken.

Fazit
In den USA und in Großbritannien hat sich der Debt-Equity-Swap bereits als Restrukturierungsinstrument etabliert. Es ist zu erwarten, dass auch das deutsche Insolvenzplanverfahren durch die Erleichterung eines Debt-Equity-Swaps an Attraktivität gewinnen wird.

Weitere ESUG Themen:
Die wichtigsten ESUG Änderungen als Artikel
(zur Veröffentlichung freigegeben)
Bleiben Sie auf dem aktuellen Stand: Mit dem Schubra Newsletter
>>> Newsletter abonnieren