2005-05-04 Phoenix Kapitaldienst GmbH

Vermögenswerte in Höhe von etwa 210 Mio. Euro gesichert – Anleger können im Insolvenzverfahren auf jeden Fall mit einer Quotenzahlung rechnen


Die Bestrebungen des vorläufigen Insolvenzverwalters Frank Schmitt (Schultze & Braun) zur Sicherung von Vermögenswerten, die dann den Gläubigern zur Verfügung stehen, macht weitere Fortschritte. Zwischenzeitlich konnten Bankguthaben in einer Größenordnung von rund 210 Mio. Euro eingezogen werden. In nächster Zeit wird der Eingang von etwa weiteren 10 Mio. Euro erwartet. Auch wurden bereits Zahlungen in Höhe von rund 15 Mio. Euro, die noch im kritischen Zeitraum, also wenige Tage vor Insolvenzantrag seitens der Phoenix getätigt worden sind, erfolgreich zurückgefordert.

Prognosen, in welchem Umfang weitere Vermögenswerte realisiert werden, die sodann der Gesamtgläubigerschaft zur Verfügung stehen, können noch nicht mit hinreichender Genauigkeit abgegeben werden. Allerdings geht der vorläufige Insolvenzverwalter RA Frank Schmitt davon aus, dass im Rahmen einer Zahlungsflussanalyse und einer umfassenden Dokumentenrecherche noch weitere Ansprüche aufgedeckt werden können, die sich in einer Größenordnung von zwei- bis dreistelligen Millionenbeträgen bewegen könnten.

Da zum einen in ganz erheblicher Anzahl Anleger aus Skandinavien beteiligt sind, zum anderen Vermögenswerte des Unternehmens in Dänemark, Finnland und Schweden zu sichern waren, wurde zur Vertretung der Insolvenzmasse zwischenzeitlich eine dänische Anwaltskanzlei beauftragt. Mit Hilfe der dortigen Anwälte konnten alle schuldnerischen Konten in Skandinavien gesichert werden. Darüber hinaus wurde die Liquidation der dänischen Tochtergesellschaft zwischenzeitlich eingeleitet.

Auch zur Verfolgung möglicher Ansprüche in Großbritannien ist sachkundige Unterstützung vor Ort hinzugezogen worden. Insoweit wird das Hauptaugenmerk zunächst auf der Informationsgewinnung hinsichtlich der Geschäftsbeziehung des Unternehmens zu ihren Brokern liegen, um die Spur des „virtuellen“ Kontos „M 2540“ genauer verfolgen zu können.

Nachdem es sich vorliegend um eine „Kriminalinsolvenz“ handelt, wurde die Abteilung „Forensic Services“ von Schultze & Braun, ein zehnköpfiges Team, mit umfassendenden Sachverhaltsermittlungen (investigation) beauftragt. Inhalt dieses Auftrages ist es zum einen die Zahlungsströme bei der Schuldnerin zu analysieren, um insoweit das System des Betruges nachzuvollziehen. Zum anderen werden weitgehende Analysen der Betriebsabläufe und Geschäftsunterlagen der Schuldnerin vorgenommen, die ebenfalls tiefere Einblicke in die betrügerischen Handlungen ermöglichen werden und als Grundlage für die weitere Anspruchsverfolgung der Masse dienen.

Auch die Ermittlungsbehörden haben die Arbeit aufgenommen. Im Interesse der Gläubiger findet insoweit eine enge Abstimmung zwischen vorläufiger Insolvenzverwaltung und dem Landeskriminalamt sowie der zuständigen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft Frankfurt als Leiterin der Ermittlungen statt.

Im übrigen erfolgt von Seiten der Insolvenzverwaltung ein regelmäßiger Informationsaustausch sowohl mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wie auch mit der Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW).

Entgegen anderslautenden Meldungen in den Medien, können Anleger nicht kurzfristig mit Ausschüttungen aus der Insolvenzmasse rechnen.

Derzeit befindet sich das Insolvenzverfahren noch im Antragsstadium. Das heißt, dass es derzeit vordringliche Aufgabe des durch das Insolvenzgericht eingesetzten vorläufigen Insolvenzverwalters ist, die Vermögenswerte der Schuldnerin zu sichern und die Entscheidung des Insolvenzgerichts über den Insolvenzantrag vorzubereiten. Diesbezüglich ist zunächst von Herrn RA Schmitt für das Gericht ein Sachverständigengutachten zu erstellen. Auszahlungen an Gläubiger sind im momentanen Stadium des Eröffnungsverfahrens nicht zulässig. Allerdings werden auch wenn das Verfahren eröffnet ist, kurzfristig Vorabausschüttungen nicht erfolgen können, da hierfür Voraussetzung die Feststellung der Verbindlichkeiten der Schuldnerin im Rahmen der formalisierten Forderungsprüfung ist. Dies bedeutet, dass zunächst alle von den Gläubigern bzw. Anlegern nach Insolvenzeröffnung einzureichenden Forderungsanmeldungen inhaltlich geprüft werden müssen, um die Passivseite hinreichend konkret bestimmen zu können. Dies gilt es zu bearbeiten bevor nach der Schaffung weiterer formaler Voraussetzungen an Vorabausschüttungen gedacht werden kann. Nachdem am vorliegenden Verfahren über 30.000 Gläubiger teilnehmen werden, ist insoweit für das Prüfungsverfahren mit einem Zeitablauf von mindestens ein bis zwei Jahren zu rechnen. Bis zum endgültigen Verfahrensabschluss werden voraussichtlich noch etwa fünf Jahre vergehen. In diesem Zusammenhang sei nochmals klargestellt, dass nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens alle Anleger von der Insolvenzverwaltung angeschrieben werden. Diesen Anschreiben beigefügt sind dann die entsprechenden Forderungsanmeldeformulare sowie der Eröffnungsbeschluss des Insolvenzgerichts mit Angaben zu Datum und Ort der Gläubigerversammlung. Insoweit ist die Entschädigung der EdW an die Anleger von der Forderungsanmeldung der Gläubiger im Insolvenzverfahren zu unterscheiden. Dies sind grundsätzlich zwei verschiedene und getrennt voneinander ablaufende Verfahren.

Im Insolvenzverfahren werden die beteiligten Anleger mit einer quotalen Befriedigung ihrer Forderungen rechnen können, wobei zur Ermittlung der Höhe der Auszahlung, von der Forderungsanmeldung die durch die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsbanken dem Anleger ggf. ausgezahlte Entschädigung abgezogen wird.


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Schultze & Braun Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung mbH,
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