2007-04-19 Phoenix Kapitaldienst GmbH

Gläubiger von Phoenix stimmen mehrheitlich Insolvenzplan zu – ein Gläubiger legt Beschwerde ein


Am 19. April 2007 haben die Gläubiger des insolventen Finanzdienstleisters Phoenix den Insolvenzplan mehrheitlich angenommen. Das Amtsgericht Frankfurt hatte die Gläubiger zum Erörterungs- und Abstimmungstermin eingeladen. Ziel war es, die Gläubiger über den vorgelegten Insolvenzplan abstimmen zu lassen, den Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Frank Schmitt von Schultze & Braun in Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss in den vergangenen Monaten ausgearbeitet hatte.
Voraussetzung für die Erstellung des Insolvenzplans war die Erstellung einer Datenbank, aus der die Ein- und Auszahlungen der Anleger im so genannten Managed Account zutreffend erfasst wurden. Dazu mussten 40.000 Akten aufgearbeitet werden.
Die Art des Plans ist eine Novität. Geregelt wird darin die Art und Weise der Berechnung der Forderungshöhe und die darauf beruhende Ausschüttung der Insolvenzmasse an die Gläubiger. Diese Regelung im Insolvenzplan erlaubte die Ausschüttung von 200 Millionen Euro in den nächsten Monaten. Da der Insolvenzplan nur den Berechnungsmodus für die Verteilung der Insolvenzmasse regelt, wird das Insolvenzverfahren ansonsten wie üblich abgewickelt.

Die Gläubiger zeigten großes Interesse an dem Insolvenzplan. Zu dem Termin sind rund 600 Anleger sowie etwa 50 Anlegervertreter erschienen.

„Wenn der Insolvenzplan rechtskräftig bestätigt wird, kann im dritten Quartal 2007 mit der Auszahlung der Insolvenzmasse begonnen werden,“ so Schmitt. Ob der Insolvenzplan rechtskräftig wird, hängt unter anderem noch davon ab, ob die von einem Gläubiger bereits eingelegte Beschwerde begründet ist. Das Gericht wird in den kommenden Wochen prüfen, ob dieser Versagungsantrag der Rechtskraft des Insolvenzplanes entgegensteht.

„Der Widerspruch eines einzelnen Gläubigers, dem sich noch ein Beschwerdeverfahren anschließen könnte, bedeutet nun eine weitere Verzögerung bei der Auszahlung der sichergestellten Gelder.“ so Schmitt. „Wir hoffen aber dennoch, dass der Plan, der von der weit überwiegenden Mehrheit der Gläubiger gewünscht wird, realisiert werden kann, so dass ich die Auszahlung vornehmen kann.“ sagte Schmitt weiter.
 
Der Insolvenzplan regelt die Modalitäten für die Verteilung der vorhandenen Insolvenzmasse in Höhe von 230 Millionen Euro. Mit dem Plan sollen zunächst 200 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Mit dieser Ausschüttung ergibt sich eine Insolvenzquote von rd. 30 Prozent. Die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) wird dann im Anschluss mit der Entschädigung der Anleger beginnen. Die EdW zahlt grundsätzlich auf den Restbetrag zwischen der von der EdW festgestellten Forderungshöhe und der Ausschüttung aus der Insolvenzmasse 90 Prozent bzw. maximal 20.000 Euro an die entschädigungsberechtigten Anleger aus. „Vor allem die Kleinanleger erhalten so den Großteil ihres angelegten Geldes wieder zurück,“ so Schmitt weiter.

Über das Vermögen der Phoenix Kapitaldienst GmbH wurde am 1. Juli 2005 vor dem Insolvenzgericht Frankfurt das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Gesellschaft bot Anlegern die Möglichkeit eines gemeinsamen Handels mit allen anderen Anlegern in Derivaten (Optionen und Futures). Die Gesellschaft wies den Anlegern gegenüber aus, dass im Derivatehandel hohe Gewinne erzielt wurden. Dies war jedoch nicht der Fall. Zu Anfang dieser „Managed Account“ genannten Anlageform wurden tatsächlich hohe Verluste erzielt. Ab 1998 ist das von Anlegern eingezahlte Geld nur in geringem Umfang im Derivatehandel angelegt worden. Mit dem von Anlegern eingezahlten Geld wurde Vermögen bei Kreditinstituten aufgebaut, mehr als die Hälfte des eingezahlten Geldes wurde für den laufenden Geschäftsbetrieb einschließlich Zahlungen an externe Vertriebe und Steuerzahlungen ausgegeben. Zur Unterlegung der vermeintlich hohen Renditen wurden jahrelang Kontoauszüge eines fiktiven Kontos bei einem Broker gefälscht. Diese Fälschung fiel erst im Jahre 2005 auf und führte zum Insolvenzantrag über das Vermögen der Phoenix Kapitaldienst GmbH.


Was ist ein Insolvenzplanverfahren?

Das Planverfahren wurde Anfang 1999 in die Insolvenzordnung eingefügt und stellt eine Alternative zur Durchführung eines Regelinsolvenzverfahrens dar. Der Insolvenzverwalter und der Schuldner sind berechtigt ein Insolvenzplanverfahren in die Wege zu leiten. Der ausgearbeitete Insolvenzplan wird dem Insolvenzgericht übergeben, das vorab zu prüfen hat, ob bestimmte formale Aspekte eingehalten sind und der Insolvenzplan nicht an groben Mängeln leidet. Nach dieser Vorprüfung hat das Insolvenzgericht den Gläubigerin in einer Gläubigerversammlung Gelegenheit zu geben, den Inhalt des Insolvenzplans zu erörtern und über die Annahme oder Ablehnung des konkreten Plans zu entscheiden. Ein Planverfahren kann innerhalb weniger Monate nach Antragstellung erledigt werden, ein reguläres Insolvenzverfahren hingegen kann sich über Jahre erstrecken.


Kontakt zum Pressesprecher:
Mail: Presse@schubra.de, Telefon: 07841/708-0



Weitere Meldungen zu diesem Thema:
Schultze & Braun Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung mbH,
http://www.schubra.de, Email: mail@schubra.de